[Homepage Nicola Döring]

 

Computernetzwerke: Zugang und Nutzung aus Geschlechterperspektiven

Nicola Döring

Vortrag auf dem 2. Frauentag an der Universität Heidelberg (11. Juni 1999)


Wenn über Computernetzwerke und ihre Nutzung gesprochen und geschrieben wird, sind oft zugleich Geschlechterfragen thematisch:

  • Mal erscheinen Netze als Refugien von Hackern, Technikfetischisten und Computerfreaks, als Männermedien, von denen Frauen und Mädchen nach wie vor weitgehend ausgeschlossen sind.
  • Mal erscheinen Netze als egalitäre Welten des Diskurses, in denen nur das Geschriebene zählt ohne Ansehen von Geschlecht, Alter, Rasse, Klasse oder Aussehen.
  • Mal erscheinen Netze als gesellige Orte, an denen Individuen besonders unbefangen und offen aufeinander zugehen, mit ihrem Geschlecht vor allem auch ihre Geschlechtlichkeit ausspielen und einander lustvoll bestätigen.
  • Mal erscheinen Netze als soziale Räume, in denen Geschlecht als Konstrukt frei verfügbar wird, weil die Beteiligten ihr wahres Geschlecht hinter sich lassen, jederzeit einen virtuellen Geschlechtertausch vollziehen oder gar ein drittes oder viertes Fantasie-Geschlecht annehmen können.
  • Mal erscheinen Netze als Herrschaftstechnologien, mit denen männliche Gewalt nicht nur in bekannter Weise reproduziert, sondern sogar gesteigert wird, etwa durch einen computervermittelt erleichterten und anonymisierten Handel mit Kinderpornografie oder mit Frauen.
  • Mal erscheinen Netze als nützliche und subversive Infrastrukturen für die politische, wissenschaftliche, wirtschaftliche, künstlerische sowie private Vernetzung von Frauen und Frauenprojekten weltweit.

Angesichts der Vielfalt der Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten in Computernetzwerken ist es nicht überraschend, dass die Bewertungen so heterogen ausfallen. Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand des Gender-Net-Diskurses.


Literatur:

Döring, N. (2000). Geschlechter-Konstruktionen und Netzkommunikation. In C. Thimm (Hrsg.), Soziales im Netz. Opladen: Westdeutscher Verlag.