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Psychotherapie und Netzkommunikation

Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven

Nicola Döring 


Quellenangabe

Döring, N. (2000). Psychotherapie und Netzkommunikation. In M. Hermer (Hrsg.), Psychotherapeutische Perspektiven am Beginn des 21. Jahrhunderts (S. 281-308). Tübingen: DGVT-Verlag. 


Einleitung

Ich bin psychotherapeutisch tätig – warum soll ich mich da mit zwischenmenschlicher Kommunikation in Computernetzwerken befassen? Für eine vertiefte theoretische und praktische Auseinandersetzung mit Netzkommunikation gibt es aus psychotherapeutischer Sicht heute vor allem drei gute Gründe:

Erstens verlagert sich der fachliche Diskurs auch im Bereich der Psychologie und Psychotherapie zunehmend in die Datennetze, insbesondere in das Internet. Eine Durchsicht der zahlreichen auf klinisch-psychologische Fragen spezialisierten Online-Angebote macht deutlich, dass Netzkommunikation als fachliches Medium an Bedeutung gewinnt: Wir können in organisatorischen Belangen profitieren, neue Informationsquellen erschließen und uns in diversen Kommunikations-Foren mit anderen Fachleuten austauschen.

Zweitens sind wir durch die Popularisierung von Computernetzwerken in zunehmendem Maße mit einer Klientel konfrontiert, deren psychosoziale Probleme sich im Zuge bestimmter Formen der Netznutzung verschärfen oder erst entwickeln. Wenn Rat- und Hilfesuchende auf ihre "Online-Sucht" oder auf die "Cyberaffären" der Partnerin bzw. des Partners zu sprechen kommen, wird deutlich, dass und wie Netzkommunikation unter bestimmten Bedingungen zum Problemkatalysator werden kann. Hier sollten wir sachkundige Ansprechpartner sein.

Drittens gibt es mittlerweile überzeugende Belege dafür, dass Netzkommunikation erfolgreich in sozial unterstützender, beraterischer und psychotherapeutischer Weise genutzt werden kann, also keineswegs automatisch entmenschlicht abläuft. Zahlreiche Selbsthilfe-Initiativen aber auch einige professionelle Beratungs- und Therapie-Angebote illustrieren, wie Netzkommunikation als therapeutisches Medium einsetzbar ist. Wer mit dieser Dimension der Netzkommunikation vertraut ist, kann Ratsuchende auf einschlägige Netzangebote hinweisen und diese kritisch bewerten. Man muss ja nicht gleich eine eigene "virtuelle Praxis" eröffnen.


Inhalte

 

1 Das Netz als fachliches Medium

            1.1 Organisations-Hilfen im Netz

            1.2 Informations-Angebote im Netz

            1.3 Kommunikations-Foren im Netz

2 Das Netz als Problemkatalysator

2.1 Online-Sucht

2.2 Problematische nicht-soziale Netznutzung

2.3 Problematische soziale Netznutzung

3 Das Netz als therapeutisches Medium

3.1 Selbsthilfe im Netz

3.2 Psychologische Beratung im Netz

3.3 Psychotherapie im Netz

4 Fazit

5 Literatur